IG Metall Ostsachsen
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19.11.2019, 17:11 Uhr

Berichte aus den Betrieben

Dem Billiglohnland Sachsen ein Ende - Flächentarifvertrag der sächsischen Metall- und Elektroindustrie jetzt auch bei Aircraft Composites Sachsen (ACOSA) und CCI gefordert

  • 17.10.2019
  • Aktuelles

Heute wurden den Geschäftsführungen der ACOSA und CCI in Kodersdorf seitens der für beide Betriebe frisch gewählten Tarifkommission die Verhandlungsaufforderung zur Einführung des Flächentarifvertrages der sächsischen Metall- und Elektroindustrie überreicht. Seit Monaten sind die Beschäftigten in Bewegung, seit Monaten strömen sie in die IG Metall, seit Monaten formen IG Metall Ostsachsen, Betriebsrat und Aktive die Bewegung zu einer Speerspitze. Nun sollen den Ungerechtigkeiten endlich ein Ende gesetzt werden.

Mitglieder der Tarifkommission zeigen sich kämpferisch

Die ACOSA und die CCI in Kodersdorf sind 100-prozentige Tochterunternehmen der Elbe Flugzeugwerke. Sie stellen Leichtbaukomponente wie zum Beispiel Fußbodenplatten und Frachtraumverkleidungen für Flugzeuge der Firma Airbus her. Seit Anfang der Neunziger Jahre gilt bei Elbe Flugzeugwerke ordnungsgemäß der Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen. Nicht jedoch für die Beschäftigten der zwei Tochterunternehmen ACOSA und CCI. Sie erhalten im Vergleich zu ihren Dresdner Kolleginnen und Kollegen wesentlich weniger Geld, haben weniger Urlaub und arbeiten zudem länger. Der Unmut und Ärger darüber seitens der Belegschaft ist groß, nun haben sie sich gemeinsam mit der IG Metall zu einer Durchsetzungsmacht organisiert.

Auf der Mitgliederversammlung letzte Woche wurde nun erstmals eine gemeinsame Tarifkommission gewählt. Ebenfalls beschlossen wurde das zu verhandelnde Forderungspaket. Das Ziel ist klar, endlich Gerechtigkeit zwischen den Standorten herstellen. Das Gremium setzt sich dabei aus haupt- und ehrenamtlichen IG Metallern zusammen. Zu ihnen gehören der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ostsachsen, Jan Otto, Christian Göbel, Gewerkschaftssekretär IG Metall Ostsachsen, Karena Tschirch Betriebsratsvorsitzende der Acosa und die Betriebsratsvorsitzende der CCI, Angela Mirle sowie weitere betriebliche Kolleginnen und Kollegen beider Unternehmen.

Karena Tschirch, Betriebsratsvorsitzende der Aircraft Composites Sachsen GmbH und Mitglied der Tarifkommission sagte: „Wir wollen für mehr Gerechtigkeit und eine gute gemeinsame Zukunft bei ACOSA kämpfen. Die heutige Übergabe der Tarifforderung ist nach der erfolgreichen Betriebsratswahl im Februar ein weiterer wichtiger Meilenstein für unsere Kolleginnen und Kollegen im Betrieb und ein weiteres wichtiges Zeichen gegen die ungerechten Arbeitsbedingungen in Ostsachsen.“

Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachen ergänzte: „Die IG Metall Ostsachsen hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Tarifbindung in Ostsachsen massiv auszuweiten. Mit der Aufforderung zur Verhandlung über die Einführung des Flächentarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie Sachsen gehen wir hier den Weg, den die Kolleginnen und Kollegen in der Region mit aller Kraft beschreiten wollen, konsequent weiter. Kodersdorf hat sich positiv entwickelt, jetzt muss das auch für die Beschäftigten spürbar werden. Weitere Betriebe werden folgen. Ostsachsen ist Zukunft, aber nur mit Tarifverträgen. Wenn wir den Strukturwandel aktiv begleiten wollen, geht das nur mit einer Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe. Die Zeit als Billiglohnland erklärt die IG Metall für Ostsachsen für beendet.“

Hintergrund:

Die Tochterunternehmen der Elbe Flugzeugwerke ACOSA und CCI zahlen ihren Beschäftigten aktuell deutlich unter dem Flächentarifvertrag Sachsen der Metall-und Elektroindustrie und damit auch deutlich weniger als die 100 km entfernte Konzernmutter. Die Produktion im Werk ACOSA ist hochgradig modern und auf dem neusten Stand der Technik. Die CCI dient der Konzernmutter Elbe Flugzeugwerke als eine Art verlängerte Werkbank bei der Montage hochwertiger Leichtbaukomponente für fast alle Flugzeuge der Airbusflotte. Der Druck ist hoch, die Produktion wird langsam immer weiter hochgefahren, da auch Airbus seine Rate gerade bei der A320er Serie immer weiter erhöht und auch die Normen für die Fertigungsstandards in der Luftfahrtindustrie werden immer anspruchsvoller. Fachkräfte zu finden wird daher immer schwieriger.

 


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