IG Metall Ostsachsen
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20.04.2019, 23:04 Uhr

Arbeit mit Studierenden

Die IG Metall Ostsachsen hält Vortrag an der Hochschule Zittau/ Görlitz

  • 05.04.2019
  • Aktuelles

Gestern hielt Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen im Rahmen der Ringvorlesung des Ost/ West-Kollegs einen Vortrag an der Hochschule Zittau/ Görlitz in Görlitz. Unter dem Thema „Arbeit in Europa“ verfolgten viele interessierten Studentinnen und Studenten, aber auch externe Zuhörer gespannt die Ausführungen aus Sicht der IG Metall.

Die IG Metall findet immer mehr Arbeitsschwerpunkte in den neuen Themen, aktive Gestaltung von Industriepolitik als progressiver Mitgestalter der Zukunft von Arbeit oder aber auch im Abwehrkampf von beabsichtigten Unternehmensschließungen. Beispiele wie Siemens, Bombardier und auch der Waggonbau Niesky sind vielen noch in präsenter Erinnerung. Wie man neue Wege beschreiten kann, anstatt Unternehmensschließungen als einzigen Ausweg zu betrachten, darüber referierte gestern Jan Otto vor den Zuhörendenden.

 

Viel Unverständnis machte sich bemerkbar, als Jan Otto von den zahlreichen Betriebsratsgründungen und Tarifverhandlungen der letzten 4 Jahre berichtete und anmerken musste, dass viele Unternehmen, aber auch viele politische Akteure auch 30 Jahre nach der deutschen Einheit noch annähernd gleich agieren. Dabei wurden Beispiel zur Be- und Verhinderungen von Betriebsratsgründungen aufgezeigt. Auch stetig wiederkehrende Argumentationsabfolgen bei  Auftaktgesprächen zu Tarifverhandlungen, in denen die Arbeitgeber oft unmissverständlich klar machen, dass sie eigentlich auf die Billiglohnstrategie in Ostsachsen gesetzt haben, waren Thema. Dabei sieht Innovation anders aus.  Investitionen in die Zukunft, Optimierung der Produktionssysteme, die Suche nach neuen Geschäftsfeldern, die auch nachhaltig Sinn ergeben, all dies wären die richtigen Instrumente für die Unternehmen. An diesen vielen Stellen kommt die IG Metall ins Spiel. Insbesondere Tarifverträge sind hier ein gutes Instrument: so kann die längst überfällige Angleichung der Beschäftigungsbedingungen in Ost und West verbindlich geregelt werden. In diesem Zusammenhang fand insbesondere der Ausblick auf die aktuellen Verhandlungen zur Einführung der 35-Stunden-Woche in der Metall- und Elektroindustrie großen Anklang bei den Zuhörern.

 

Eine anschließende Diskussion über das Thema Strukturwandel und Transformation konnten die zahlreichen Aktivitäten, in denen die IG Metall Ostsachsen ganz konkret Zukunft gestaltet, darstellen. Otto berichtete aus erster Hand aus der „Kohlekommission“, deren Abschlussbericht die IG Metall grundsätzlich begrüßt. Klar ist einerseits, dass die Pariser Klimaziele unbedingt erreicht werden müssen. Klar ist aber auch, dass etwa der Ausstieg aus der Braunkohle ohne Wenn und Aber sozialverträglich gestaltet werden muss – für Beschäftigte wie für Unternehmen. Um die Lausitz als Industrie- und Energieregion zu erhalten, müssen neue, hochwertige und zukunftsfeste Arbeitsplätze geschaffen werden. Für die IG Metall geht das nur durch eine starke Mitbestimmung und zukunftsgewandte Tarifverträge. Der Strukturwandel kann aber auch nur durch umfangreiche Investitionen in Infrastruktur, Energiegewinnung und Mobilität erreicht werden. Neue Unternehmen müssen angesiedelt werden – die Voraussetzungen, beispielsweise bebaubare Flächen, dafür sind schon da. Gewerkschaft, Unternehmen und Politik müssen nun an einem Strang ziehen und insbesondere für eine hochwertige und zielgerichtete Weiterqualifizierung der Beschäftigten sorgen. Und das übrigens nicht nur für die direkt betroffenen Beschäftigten bei den Energieversorgern, sondern auch bei den indirekt betroffenen in der Metall- und Elektroindustrie. In diesem Zusammenhang wird seitens der IG Metall zum Beispiel ein Transformationskurzarbeitergeld gefordert. Ziel ist es für alle betroffenen Industriebereichen den Transformationsprozess sozialverträglich zu gestalten.

Für viele der Studierenden war es an diesem Tag das erste oder zweite Mal, an dem sie die Möglichkeit hatten, etwas mehr über Gewerkschaften zu erfahren. Sicherlich ein großes Manko unseres Bildungssystems. Das Interesse an den grundlegenden Strukturen, deren Aufgaben und Möglichkeiten der IG Metall, war bemerkenswert groß und zeigt auch Studierende wollen eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen hier und über die Region hinaus. Folgeveranstaltungen und eine gemeinsame Zusammenarbeit der Hochschule und der IG Metall Ostsachsen werden forciert.  

 


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