IG Metall Ostsachsen
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15.08.2022, 18:08 Uhr

Tarifrunde Holz und Kunststoff Sachsen

Druck zeigte Wirkung: Mehr Geld für die Beschäftigten der sächsischen Holz- und Kunststoffindustrie

  • 03.12.2021
  • Aktuelles

Der Tarifkonflikt in der sächsischen Holz-, Kunststoff- und Schreibgeräteindustrie ist beendet. Nach knapp achtstündiger Verhandlung – coronabedingt per Videoschaltung – haben sich IG Metall und der Verband der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie Sachsens e.V. in den Abendstunden des 30. November in der dritten Tarifverhandlung geeinigt. Beschäftigte und Auszubildende bekommen mehr Geld und eine Coronaprämie. Der Druck, den die Beschäftigten vor der dritten Verhandlungsrunde mit betrieblichen Aktionen aufgebaut haben, hat Wirkung gezeigt.

Der Druck, den die Kolleginnen und Kollegen (hier im Bild bei Edding V.D. Ledermann in Bautzen) im Vorfeld der dritten Verhandlungsrunde aufgebaut haben, zeigte Wirkung. Nach achtstündiger Verhandlung haben sich IG Metall und Arbeitgeber geeinigt. Foto: IG Metall

Die Einkommen der Beschäftigten steigen ab 1. Mai 2022 in zwei Schritten, um 5,5 Prozent in der Holz- und Kunststoffindustrie, um 7,2 Prozent in der Schreibgeräteindustrie. Die Ausbildungsvergütungen steigen für die nächsten zwei Jahre zwischen 7,5 und 11 Prozent beziehungsweise 60 bis 100 Euro pro Monat – je nach Ausbildungsjahr.

Zudem erhalten die Kolleginnen und Kollegen eine Coronaprämie in Höhe von 595 Euro netto, für Auszubildende gibt es 250 Euro netto.
Außerdem hat die IG Metall eine Verdopplung des betrieblichen Demografiefonds auf künftig 600 Euro pro Beschäftigtem im Jahr erstritten. Dieser kann wahlweise für die weitere Gestaltung alternsgerechter Arbeit im Betrieb, für das Abfedern von Einbußen bei Altersteilzeit oder für zusätzliche Erholungsschichten eingesetzt werden.

Im Detail steigen die Einkommen ab 1. Mai 2022 in der Holz- und Kunststoffindustrie Sachsens um 3 Prozent und in der Schreibwarenindustrie um 3,8 Prozent. Eine weitere Erhöhung folgt zum 1. April 2023 – in der Holzindustrie um weitere 2,45 Prozent und in der Schreibgeräteindustrie um weitere 3,23 Prozent. Mit der zweiten Erhöhungsstufe gibt es künftig eine einheitliche und gemeinsame Einkommenstabelle für die bislang unterschiedlichen Bereiche der Holz- und Kunststoff- sowie Schreibgeräteindustrie in Sachsen.

Das sogenannte Facharbeitereckeinkommen beträgt ab 1. Mai 2022 dann 2485 Euro (Schreibgeräte 2376 Euro) und ab dem 1. April 2023 für alle 2546 Euro im Monat.

Christian Göbel, Politischer Sekretär der IG Metall Ostsachsen bewertet den Abschluss wie folgt: „Wir haben diese Tarifrunde mit einem sehr guten Ergebnis abgeschlossen. Darauf können wir stolz sein. Mein Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen, die sich an unseren spontanen Aktionen beteiligt haben. Die Arbeitgeber haben verstanden, dass die Entgeltlücke zu anderen Bundesländern endlich geschlossen werden muss." Perspektivisch sähe er noch einige Herausforderung bis zur endgültigen Angleichung an andere Tarifgebiete,  sei aber überzeugt und optimistisch, dass es möglich wäre. Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben hätten bewiesen, dass sie in der Lage wären Druck aufzubauen, so Göbel weiter. 

Bodo Grzonka, Verhandlungsführer der IG Metall hält das Gesamtergebnis angesichts der aktuellen Lage für akzeptabel. Auch er wünscht sich einen noch deutlicheren Schritt zur Angleichung an die Einkommen der übrigen Branchen. "Erfreulich ist die überproportionale Anhebung der Vergütung für die Auszubildenden, denn die nunmehr rund 1000 Euro im Monat im dritten Ausbildungsjahr schaffen eine gute Perspektive für den Nachwuchs in der Branche, die seit langem nach Fachkräften sucht“, so Grzonka weiter.

Vorausgegangen waren zwei zähe Verhandlungen ohne jegliche Annäherung oder Angebot. Die in Westdeutschland sitzenden Unternehmensleitungen hatten massiv jeglichen Fortschritt mit den sächsischen Unternehmensvertretern blockiert. Die Beschäftigten hatten am Vortag der dritten Verhandlungsrunde in den Betrieben ihre Streikbereitschaft gegen die Blockade der Arbeitgeber bekundet und eine Bewegung der Arbeitgeber eingefordert. Bundesweit wurden in fast allen Tarifgebieten bereits Tariferhöhungen von 4,9 Prozent abgeschlossen.

„Die Arbeitgeber haben die Entschlossenheit der Beschäftigten zunächst ignoriert und dann völlig unterschätzt. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich es nicht mehr gefallen lassen, fremdbestimmt aus dem Westen von der gemeinsamen tariflichen Branchenentwicklung abgehängt zu werden. Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir geschlossen Druck gemacht, um ein weiteres Abkoppeln der Einkommen zu verhindern. Wir haben jetzt einen Wendepunkt eingeleitet und unsere Streikbereitschaft demonstriert, damit die Zeiten von Billiglöhnen in Sachsen enden“, so Bodo Grzonka.

In der Holz- und Kunststoff- sowie Schreibgeräteindustrie in Sachsen arbeiten rund 8000 Beschäftigte in unterschiedlichen Teilbranchen. Die Zahl der tarifgebundenen Beschäftigten beträgt rund ein Viertel. Die meisten Unternehmen orientieren sich am Flächentarifvertrag oder besitzen Haustarifverträge.