IG Metall Ostsachsen
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16.10.2018, 04:10 Uhr

Leiharbeit/Industrienahe Dienstleistungen

IG Metall-Betriebsräte-Befragung: Leiharbeit und Fremdvergaben verdrängen reguläre Arbeitsplätze

  • 08.10.2018
  • Aktuelles

Trotz Wirtschaftsboom und Arbeitskräftemangel gliedern Industriebetriebe immer mehr Arbeit über Leiharbeit und Fremdvergaben aus. Rund 80 Prozent der Betriebe der Metall- und Elektroindustrie, der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie sowie der Textilindustrie nutzen Leiharbeit oder vergeben Aufträge über sogenannte Werkverträge an Fremdfirmen.

Am Freitag präsentierte die IG Metall in Frankfurt am Main eine bundesweite Befragung unter Betriebsräten in rund 3.600 Betrieben. "Die Befragung der Betriebsräte zeigt, dass Leiharbeit und Fremdvergabe immer stärker zum billigeren Ersatz für reguläre Arbeitsplätze genutzt werden. Dies geht weiter über die Abdeckung von Auftragsspitzen oder andere vorübergehende Personalengpässe hinaus", sagte Jörg Hofmann am Freitag in Frankfurt.

Die IG Metall will deshalb gemeinsam mit den Beschäftigten den Missbrauch von Ausgliederungen weiter eindämmen. „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht: Branchentarifverträge und Betriebsvereinbarungen sichern Leiharbeitern mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen und Chancen auf Übernahme – und sie begrenzen Leiharbeit im Betrieb. Zudem setzen wir bei immer mehr industrienahen Dienstleistern Tarifverträge durch“, sagte der IG Metall-Vorsitzende. „Trotz der Einzelerfolge besteht das Hindernis, dass es keine ausreichende Mitbestimmung für Betriebsräte bei der Fremdvergabe gibt, um Missbrauch zu vermeiden. Zwar hat die Politik im letzten Jahr die Gesetze nachgebessert, den Missbrauch dämmen sie jedoch nach wie vor nicht ein“, sagte Hofmann.

27,5 Prozent der befragten Betriebsräte sagen, dass Leiharbeit und Fremdvergabe in den vergangenen drei Jahren in ihrem Betrieb dauerhafte Stammarbeitsplätze verdrängt haben. Betroffen von Ausgliederungen sind mittlerweile alle Bereiche in Industriebetrieben, von der Entwicklung über die IT bis zur werksinternen Logistik und hinein in die Produktion. Dieser Trend hatte sich bereits bei einer vergleichbaren Befragung der IG Metall vor drei Jahren abgezeichnet.

Die IG Metall will den Missbrauch von Leiharbeit und Fremdvergabe verstärkt in den Betrieben angehen und dort gemeinsam mit Betriebsräten und Beschäftigten weitere Regelungen durchsetzen. Dazu startet die IG Metall eine betriebspolitische Kampagne unter dem Motto „Gute Arbeit für alle“. Das Ziel: Alle Beschäftigten eines Betriebs – egal ob Stammbeschäftigte, Leihbeschäftigte oder Beschäftigte bei industrienahen Dienstleistern – sollen gute Arbeitsbedingungen haben.

Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Geschäftsstelle Ostsachsen ergänzt: „Beschriebene Praktiken sind auch bei uns in der Region an der Tagesordnung. Das verstärkt das Gefühl des „abgehängt sein“. Nur gemeinsam mit den Stammbeschäftigten, den Betriebsräten und noch wichtiger den Leiharbeitern können wir es schaffen, dem Trend gemeinsam entgegenzutreten. Ostsachsen ist Zukunft und dazu gehören alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bereit sind ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und sie zu gestalten.“

 

 

 


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