IG Metall Ostsachsen
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03.10.2022, 00:10 Uhr

BEZIRKSKONFERENZ 2022 IN COTTBUS

Mit 8 Prozent gegen den Wirtschaftsabschwung

  • 20.09.2022
  • Aktuelles

Starke Lohnerhöhungen verschärfen anders als von den Arbeitgebern behauptet nicht die wirtschaftlichen Probleme. Im Gegenteil können sie zusammen mit kräftigeren Entlastungen durch den Staat die Konjunktur stabilisieren. Dies stellte Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, auf der Bezirkskonferenz der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen in Cottbus klar. Und lieferte wichtige Argumente für die Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie.

Sebastian Dullien - per Video nach Cottbus dazu geschaltet. (Foto: Christian von Polentz/IGM)

Sebastian Dullien - per Video nach Cottbus dazu geschaltet. (Bild: C.v.Polentz/IGM)

Die wirtschaftliche Lage ist schwierig, die Konjunkturrisiken sind groß. Dies machte Dullien deutlich. Zugleich wandte er sich aber gegen die Darstellung der Arbeitgeber, acht Prozent mehr Lohn in der Metall- und Elektroindustrie würden die deutsche Wirtschaft in den Abgrund treiben. Im Gegenteil sind laut Dullien die acht Prozent aus volkswirtschaftlicher Sicht „eine sehr sinnvolle Forderung“.

Begründung: Derzeit droht eine nachfragegetriebene Rezession. Nachfragetrieben heißt: Viele Menschen schränken ihren Konsum ein, weil die hochschnellenden Ausgaben fürs Tanken, fürs Heizen oder auch den Einkauf im Supermarkt sie stark belasten. Damit aber verliert die Konjunkturihre letzte Stütze: den privaten Konsum.

Dullien sieht aber auch die Politik in der Pflicht. „Ein vollständiger Ausgleich der Kaufkraft-Verluste allein durch die Tarifpolitik ist unrealistisch“, so der Volkswirtschafts-Professor. Die ersten beiden Entlastungspakte der Koalition zielten in die richtige Richtung. Auch im dritten Entlastungspaket sieht er viele positive Element. Es schließe Gerechtigkeitslücken etwa bei Rentnerinnen und Rentnern und Studierenden. Dennoch müsse die Finanzpolitik nachlegen, forderte Dullien. Er sprach sich erneut für einen Gaspreisdeckel aus, den das IMK schon sehr früh vorgeschlagen hatte.

Für die Inflation erwartet er kurzfristig nichts Gutes. Die Teuerungsrate könnte sich in den nächsten Monaten seiner Prognose zufolge der Marke von zehn Prozent annähern oder sie sogar überspringen. Allerdings gilt auch hier: Nicht zu hohe Löhne treiben die Preise nach oben, sondern Effekte von außen: die Folgen des Ukraine-Kriegs und die anhaltenden Wirkungen von Corona und die immer noch nicht überwundenen Unterbrechungen der Lieferketten.