09.03.2026 | Die Ausbildung bei Siemens Energy in Görlitz brummt. Im ostsächsischen Trainingszentrum werden die Fachkräfte für die Standorte Görlitz, Dresden und Erfurt ausgebildet. Damit auch ihre Interessen weiter gut im Betriebsrat vertreten sind, stellt sich Armin Winkler, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), erstmals zur Wahl für den Betriebsrat.
Armin, Du kandidierst als JAV-Vorsitzender bei Siemens Energy erstmals bei einer Wahl für den Betriebsrat. Warum?
Armin: Ich war anderthalb Jahre Vorsitzender der JAV. Meine Ausbildung, eine kooperative Ingenieursausbildung (KIA), die ich im Unternehmen und an der Hochschule Zittau-Görlitz absolviert habe, ist beendet. Nächste Woche (in der letzten Februarwoche – Anmerkung der Redaktion) gebe ich meine Bachelorarbeit ab. Da ist die Kandidatur zum Betriebsrat für mich der nächste logische Schritt.
Du bist mit deinen bald 23 Jahren aber auch noch nicht zu alt, um JAV-Vorsitzender zu sein …
Armin: … das sicher nicht. Die Kandidatur für den Betriebsrat war auch keine einfache Entscheidung. Denn im Fall meiner Wahl in den Betriebsrat muss ich den JAV-Vorsitz ja abgeben. Aber ich habe das Gefühl, dass es sinnvoll ist, der jüngeren Generation eine noch stärkere Stimme im Betriebsrat zu geben und die Perspektive der Jüngeren dauerhaft mit einzubringen. Vom Altersdurchschnitt her ist die Gruppe der Auszubildenden und jüngeren Beschäftigten im aktuellen Betriebsrat nicht stark vertreten. Um für diese Kolleginnen und Kollegen Themen zu setzen, ist es sicher von Vorteil, wenn ich selbst BR-Mitglied bin und auch Stimmrecht habe.
Welche Themen, die die Jüngeren bei Euch im Betrieb betreffen, willst Du als Betriebsrat denn anpacken?
Armin: Eine aktuelle und zeitgemäße Betriebsvereinbarung, die die Ausbildungskoordination am Standort richtig regelt, fehlt zum Beispiel immer noch. Eine, die bestehende Unklarheiten zwischen Trainingszentrum und Betreuung im Werk auflöst. Es ist oftmals nicht klar, wer für welche Aufgaben zuständig ist und so werden die zwischen Trainingszentrum und den Abteilungen im Werk hin- und hergeschoben – zu Lasten der Auszubildenden und zuweilen auch auf Kosten der Ausbildungsqualität. Da mal den Fokus des Gremiums drauf zu richten, ist ein Beispiel für Themen, die ich mir auf die Fahnen geschrieben habe.
Der jungen Generation wird oft nachgesagt, dass sie keine Verantwortung übernehmen will. Bei Dir scheint das anders zu sein. Warum engagierst Du Dich?
Armin: Es gibt aber auch viele engagierte Jüngere. Ich war schon immer auf dieser Schiene unterwegs, packe gerne an, gestalte mit. Das ist doch allemal besser, als wenn über unsere Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen werden. In der Schule war ich Klassensprecher und im Schülervorstand. Und als die alte JAV bei Siemens Energy bei der letzten Wahl überwiegend aus Altersgründen nicht mehr antrat, musste die Lücke gefüllt werden. Das ist eine wichtige Aufgabe, weniger um meine eigenen Interessen durchzusetzen, sondern vor allem um allen Auszubildenden und dual Studierenden am Standort eine Stimme zu geben.
Wann findet bei Euch die Wahl statt?
Armin: Wir befinden uns schon auf der Zielgeraden. Gewählt wird am 10. und 11. März, so dass alle Schichten die Chance haben, sich an der Wahl zu beteiligen. Außerdem gibt es bei uns auch die Möglichkeit zur Briefwahl. Das ist insbesondere auch für die dual Studierenden wichtig, die an diesen Tagen zum Beispiel für das Werk Görlitz in Berlin sind und dort ihr Studium oder ihre Ausbildung absolvieren.
Wie läuft der Wahlkampf?
Armin: Wir haben zum Beispiel Flyer verteilt, mit denen wir generell erstmal über Betriebsratsarbeit informieren. Dann gibt es auch Flyer, mit denen sich die Kandidierenden vorstellen, damit die Kolleginnen und Kollegen am Wahltag wissen, wen sie da wählen. Bei uns findet die Wahl übrigens als Personenwahl statt. Ganz wichtig ist auch die Betriebsversammlung am 5. März, wo sich die Kandidatinnen und Kandidaten persönlich vorstellen und allen die Möglichkeit geben, sich einen persönlichen Eindruck von uns zu machen. Dazu gibt es bei uns einen Newsletter mit Infos rund um die Wahl, der an alle Beschäftigten am Standort per E-Mail verschickt wird.
Wie unterstützt Euch die IG Metall?
Armin: Ich kann da aktuell nur für die JAV sprechen. Und da muss ich sagen, ist der Austausch sehr eng und die Unterstützung von Anna (Anna-Lena Brand – Anmerkung der Redaktion) aus der Geschäftsstelle Ostsachsen super. Anna ist bei unseren JA-Versammlungen immer vor Ort. Sie hat klasse rechtliche Inputs für uns, die immer wieder auch deutlich machen, wie wichtig eine funktionierende Gremienarbeit ist, die über das nötige Know-how verfügt. Darüber hinaus ist die IG Metall aber auch bei uns im Betrieb sichtbar. Das ist wichtig, denn am Ende bestimmt die Quote darüber, wie erfolgreich wir in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber sind. Dass gut organisierte Belegschaften mehr durchsetzen, ist eben nicht nur eine leicht dahingesagte Floskel.
Werfen wir noch einen Blick auf die Situation bei Euch im Betrieb. In vielen Branchen und Unternehmen ist die Stimmung aktuell nicht so gut. Standorte und Arbeitsplätze sind in Gefahr. Wie sieht das bei Euch aus?
Armin: Wir sind am Standort gut aufgestellt. Von Flaute ist bei uns nichts zu spüren. Unsere Ausbildung platzt sogar aus allen Nähten. Und das ist gut so – denn viele ältere Kolleginnen und Kollegen gehen demnächst in den Ruhestand. Mit unserer bedarfsgerechten Ausbildung sorgen wir dafür, dass wir unsere Standorte aus den eigenen Reihen mit gut ausgebildeten Fachkräften versorgen können. Eine gute Ausbildung ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen. Und die Ausbildung bei uns ist beliebt, weil die jungen Kolleginnen und Kollegen hier in einem tarifgebundenen Unternehmen auf faire und gerechte Arbeitsbedingungen treffen. Bei uns zeigt sich: Eine qualifizierte Ausbildung einerseits und Tarifbindung andererseits sind zwei wirklich gute Zutaten für die Zukunftsfähigkeit eines Betriebs. So etwas sollte Schule machen.
Armin, vervollständigst Du mir zum Abschluss noch den folgenden Satz? Ich bin froh, die IG Metall an meiner Seite zu haben, weil …
Armin: … sie uns mit ihrem geballten Know-how unterstützt, immer die Belange aller Kolleginnen und Kollegen im Blick hat und die Interessen der Beschäftigten auch überbetrieblich vertritt.
Das Interview führte Kathryn Kortmann.
Hintergrund:
Bei Siemens Energy in Görlitz arbeiten rund 750 Beschäftigte. Vom Standort in Ostsachsen aus führt Siemens Energy das globale Geschäft mit Industriedampfturbinen und -generatoren. Die dort gefertigten Maschinen kommen zum Beispiel in Biomasse- und Solarthermieanlagen sowie in Kraftwerken mit Energieerzeugung beziehungsweise Wärmeauskopplung zum Einsatz. Am Standort Görlitz befindet sich das Trainingszentrum für Auszubildende der Standorte Görlitz, Dresden und Erfurt.
Armin Winkler (22) ist seit anderthalb Jahren Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Siemens Energy am Standort in Görlitz. Er hat ein sogenanntes KIA-Studium absolviert und neben seiner Ausbildung zum Mechatroniker bei Siemens Energy in Görlitz auch an der Hochschule Zittau-Görlitz studiert. Seine Bachelor-Arbeit, die er Ende Februar einreicht, hat er über die Instandsetzung an einer vertikalen Dreh- und Fräsmaschine geschrieben. IG Metall-Mitglied ist Armin „aus Überzeugung, dass sich Arbeitsbedingungen nur gemeinsam verbessern lassen“ seit Ausbildungsbeginn.