IG Metall Ostsachsen
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30.09.2020, 03:09 Uhr

Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2020

Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie: Übernahme des NRW-Pilot-Abschlusses in Sachsen

  • 25.03.2020
  • Aktuelles

Die Corona-Pandemie stellt große Teile der Wirtschaft und Gesellschaft vor extreme Herausforderungen. Die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen hat sich heute mit dem sächsischen Arbeitgeberverband VSME darauf geeinigt, den Pilotabschluss aus NRW für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen zu übernehmen.

Beschäftigter der GKN Walterscheid mit Warnstreikweste beim Warnstreik am 09. Januar 2018 // Foto: IG Metall

In einem digitalem und telefonischen Verfahren wurde heute die Übernahme des am 20. März in NRW erfolgten Pilotabschlusses mit dem sächsischem Arbeitgeberverband beschlossen. Die Mitglieder der Tarifkommissionen in Sachsen werden jetzt in Telefon- und Videokonferenzen durch ihre Geschäftsstellen über die Inhalte des Tarifabschlusses informiert.

Die begonnene Tarifrunde für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie wird ausgesetzt, um aktuell drängende Themen von Beschäftigten und Unternehmen zu regeln.

Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen sagt: „Die Tarifrunde 2020 hat sich unter der Einwirkung der Corona-Krise anders entwickelt, als wir zu Beginn erwartet haben – und wie immer hat die IG Metall geschaut, was brauchen die Beschäftigten in den tarifgebundenen Betrieben jetzt am Dringendsten. Unsere Gesellschaft steht vor der Herausforderung, dass das Rückgrat der Industrie, nämlich unsere Kolleginnen und Kollegen ohne Besserregelungen durch Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen massiv die Leidtragenden sind. Dieser Abschluss ist ein deutliches Signal dagegen und FÜR eine Ausweitung der „Rettungs“-Maßnahmen auf die Kolleginnen und Kollegen. Auch auf bundespolitischer Ebene werden wir weiter deutlich machen: Wer Unternehmen und Banken mit Milliarden unterstützt, darf die Beschäftigten nicht vergessen!"

IG Metall Bezirksleiter Stefan Schaumburg ergänzte: „Wir müssen in diesen schwierigen Zeiten gemeinsam handeln, die Beschäftigung sichern und dafür sorgen, dass die Beschäftigten wegen Kurzarbeit und aufgrund von Schul- und Kitaschließungen nicht alleine die Kosten der Corona-Krise tragen müssen. Diesem Ziel sind wir mit dem ,Solidartarifvertrag 2020‘ und dem ,Tarifvertrag Zukunft in Arbeit 2020‘ ein Stück nähergekommen. Wir vertagen die ursprünglichen Themen dieser Tarifrunde."

Das erzielte Tarifergebnis beinhaltet folgende Punkte:

  • Regelungen zur Kurzarbeit, die die Nettoentgelte der Beschäftigten für die ersten Monate auf dem Niveau von etwa 80 Prozent absichern können. Dies geschieht durch eine Abschmelzung der Sonderzahlungen und einen Arbeitgeberzuschuss von 350 Euro je Vollzeitbeschäftigtem. Zur Verminderung sozialer Härten insbesondere bei Kurzarbeit wird in jedem Betrieb ein Solidartopf eingerichtet. Der Betrag, der in diesen Topf eingezahlt wird, errechnet sich aus der Anzahl der Beschäftigten im Betrieb multipliziert mit 350 Euro. Die konkreten Aufzahlungsmodalitäten werden in einer Betriebsvereinbarung geregelt. Nicht verwendete Mittel des Solidartopfes werden an die zum Stichtag 1. Dezember 2020 im Betrieb Beschäftigten zu gleichen Teilen ausgezahlt.
  • Bei Schließungen von Kitas und Schulen können Eltern mit Kindern bis zu 12 Jahren acht freie Tage für die Kinderbetreuung nehmen anstatt des tariflichen Zusatzgeldes (T-ZUG). Zusätzlich erhalten Beschäftigte im Jahr 2020 für die Betreuung von Kindern - soweit zwingend erforderlich - mindestens fünf freie Tage ohne Anrechnung auf den Urlaub, das Entgelt wird weitergezahlt.

Die Tarifverträge treten unverzüglich in Kraft und können zum 31. Dezember 2020 gekündigt werden.

In der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen arbeiten rund 190.000 Beschäftigte.